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Sie sind hier: Home - Nachgefragt - Glockenläuten Donnerstag, 09. September 2010

 

Warum läuten die Glocken?


Glocke in St. Marien

Manche stören sich daran, für andere ist es ein fester Bestandteil des Lebens. Glocken läuten heute deutlich weniger oft als früher. Warum läuten tagsüber die Glocken und welchen Sinn hat das Läuten?

In früheren Zeiten wurde das Leben von Signalen bestimmt, die die Kirchenglocken vorgaben. Bei der Arbeit auf dem Feld oder in der Werkstatt gab es außer dem Stand der Sonne keine weitere Information zur Tageszeit. Man verließ sich auf das Mittagsläuten, um eine Pause einzulegen und eine Mahlzeit einzunehmen, und am Abend bedeutete das Läuten: Jetzt ist Feierabend. Die Glocken warnten vor Gefahr durch Krieg und Feuer.

Der Klang des Geläutes unserer St. Marienkirche ist das Schönste in unserer Stadt, es hat etwas Erhabenes, Feierliches. Dank dem Förderverein Glocken St. Marien Stendal e.V. sind nun nicht nur die Großglocken saniert, sondern auch ein neues Chorgeläut hergestellt worden. Somit ist ein Glockenklang zu bewundern, wie er wohl im Mittelalter vernehmbar war.

Der Gemeindekirchenrat hat in diesem Jahr, so wie es die "Ordnung des kirchlichen Lebens der Evangelischen Kirche der Union" vorsieht, eine Ordnung zum Läuten beschlossen. In dieser Läuteordnung sind die Traditionen beim Läuten dieser Glocken aufgenommen worden, wie sie von Pfarrer Koch zu Beginn des 20. Jahrhundert in der Chronik beschrieben wurden. Die vier Großglocken; "Maria", "Neue Glocke", "Anna" und die "Vesperglocke" erklingen nun mit den Glocken des Chorgeläuts "Zuckerhutglocke"; "Signierglocke I und II"; "Stifterglocke").

Das Chorgeläut wird vor vollem Geläut an Festtagen wie Ostern, Pfingsten, Kirchweihtag, Heilig Abend, Weihnachten und zum Neuen Jahr zu hören sein. Die "Vesperglocke" läutet werktags um 12 und 18 Uhr. Abends erinnert sie an das beginnende Ruhen von der Arbeit und damit auch an den "Abend des Lebens und Abend der Welt". Das Mittagsläuten soll nicht den Beginn der Mittagszeit anzeigen, es dient vielmehr bereits seit Mitte des 15. Jahrhundert als Aufruf, täglich für den Erhalt des Friedens zu beten. Die "Neue Glocke" läutet allein zum Zeitpunkt der Bestattung von Gemeindegliedern und ruft eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst zur Andacht. Dieses Vorläuten übernimmt an hohen Festtagen die "Maria". "Neue Glocke" und "Anna" laden ein zu Taufe, Trauung, Jubiläen und kirchenmusikalischen Veranstaltungen in der Marienkirche. Die Großglocken ohne "Maria" rufen zum Sonntagsgottesdienst und Andachten an Wochentagen und zu besonderen Anlässen.

Möge dieses Geläut unser Leben begleiten, zu Andacht und Gebet rufen. So wie der Glockenklang den in der Dunkelheit Verirrten in die Geborgenheit führen kann, so mögen uns die Glocken versichern:

"Es gibt für dich einen Weg zum Licht."

D. Frobel

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